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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 18.12.2011 Share it on Facebook


Loehr, V, J. T., B. T. Henen & M. D. Hofmeyr (2011): Reproductive Responses to Rainfall in the Namaqualand Speckled Tortoise. – Copeia 2011: 278–284.

Reproduktion in Abhängigkeit zur Regenmenge bei der Gesägten Namaqualand Flachschildkröte.


Obwohl viele Landschildkröten Regionen besiedeln, die durch Dürreperioden gekennzeichnet sind, die die potentiellen Ressourcen begrenzen, zeigen die betreffenden Arten eine recht lange Lebensdauer. Um die Reproduktivität in Abhängigkeit zu den Niederschlägen zu untersuchen und um zu verstehen, welche Beziehungen es zwischen Eigröße, Körpergröße, Körperkondition und Regenmenge gibt, untersuchten wir die Eiproduktion bei der Gesägten Flachschildkröte, Homopus signatus signatus in Springbok, Südafrika während 5 auf einander folgender Frühjahre. Die jährliche Regenmenge war niedrig und schwankte sehr stark (131-226 mm Niederschlag). Die Prozentzahl „trächtiger“ Weibchen (36-75 %) schwankte zwischen den Jahren und zeigte eine Korrelation zur Regenmenge, die im Monat vor der Eiablage gefallen war. Gravide (Eier tragende) Weibchen hatten eine bessere Körperkondition als jene, die keine Eier produzierten, was vermutlich auf einer individuellen Schwankung bei der Ressourcennutzung beruhte, die einige Weibchen veranlassten, die Reproduktion auszusetzen. Die Körperkondition von graviden und nicht-graviden Weibchen schwankte zwischen den Jahren und war am schlechtesten in den Jahren mit der niedrigsten Regenmenge. In den meisten Jahren korrelierte die Eigröße mit der Größe der Weibchen, aber weder die Weibchengröße noch die Eigröße schwankte zwischen den Jahren. Die Eigröße zeigte keine signifikante Korrelation zur mütterlichen Körpergröße in den trockensten Jahren, in denen andere Parameter wie die Kondition den Einfluss der Körpergröße übertrafen. Das Eivolumen lag bei etwa 11,9 % des mütterlichen Panzervolumens. Der Panzer der Adulten ist in dorso-ventraler Position flexibel, was den Weibchen hilft dieses große Ei auszubilden. Letzteres zeigt sich auch daran, dass der Carapax gravider Weibchen höher ist, als der von nicht-graviden Weibchen. Große Eier scheinen für H. s. signatus von Vorteil zu sein, da größere Schlüpflinge bessere Überlebenschancen in einer von Trockenheit geprägten Umwelt haben. Da das Verbreitungsgebiet von H. s. signatus durch die zunehmende Aridifizierung bedroht ist, könnten die Auswirkungen der Trockenheit die Eiproduktion negativ beeinflussen, was zu einer ernstzunehmenden Veränderung der Population im Hinblick auf ihr langfristiges Überleben führen könnte.

Kommentar von Hans-Jürgen Bidmon

Auch hier wieder ein schönes Beispiel, wie abhängig die erfolgreiche Reproduktion und damit das langfristige Überleben von der Nahrung ist, denn mehr Regen bedeutet nicht nur Trinkwasser, sondern vor allem mehr Pflanzenwuchs und damit Nahrung, die während der Aktivitätszeit der Weibchen und der Jungtiere vorhanden sein muss. Aber hier erkennen wir auch wieder ein praktisches Beispiel für die Notwendigkeit von Konnektivität (siehe Lee 2011), denn die Schildkröten können sich nur bis zu einem gewissen Grad an eine zunehmende Aridifizierung ihres aktuellen Lebensraums anpassen und im Anschluss daran würde weiter zunehmende Austrocknung eine Anpassung in Form einer langsamen, schrittweisen Abwanderung in eine Richtung bedingen, in der die Regenmengen gerade noch ausreichend sind. Denn in diese Richtung wandern dann auch die entsprechenden Futterpflanzen ab, weil nur dort ihr Samen noch keimt. Das ist kein aktives Abwandern im Sinne einer Fortbewegung, sondern eher die über Jahrzehnte bis Jahrtausende andauernde Verschiebung des Verbreitungsgebiets hin zu einem Gebiet, in dem ein Überleben bis zur nächsten Abkühlung, die auch wieder mit mehr Niederschlägen einhergeht, eine neue Ausbreitungswelle einleitet, so wie es von Fritz et al. (2009) für Emys orbicularis in Bezug auf Temperaturverschiebungen beschrieben wurde (siehe auch Daniels et al. 2007, denn auch die Gattung Chersina scheint solche Lebensraum- und Populationsverschiebungen zu zeigen). Dazu müssen aber dann auch „Abwanderungs- (Ausbreitungs-) Korridore“ erhalten bleiben. die diese Lebensraumverschiebungen noch ermöglichen. Letzteres wird aber eines der entscheidenden Probleme darstellen, denn da auch unsere eigene Ernährung und Landwirtschaft von diesen Niederschlagsgradienten abhängt, die noch Pflanzenwuchs ermöglichen, kann man sich unschwer vorstellen, dass genau diese Landschaftszonen, jene sein werden, die von einer Fragmentierung aufgrund verstärkter Nutzung durch uns Menschen am stärksten betroffen sind.


Literatur

Daniels, S. R., M. D. Hofmeyr, B. T. Henen & K. A. Crandall (2007): Living with the genetic signature of Miocene induced change: Evidence from the phylogeographic structure of the endemic angulate tortoise Chersina angulata. – Molecular Phylogenetics and Evolution 45 (3): 915–926 oder SiF 5(1) 2008.

Fritz, U., D. Ayaz, A. K. Hundsdoerfer, T. Kotenko, D. Guicking, M. Wink, C. V. Tok, K. Cicek & J. Buschbom (2009): Mitochondrial diversity of European pond turtles (Emys orbicularis) in Anatolia and the Ponto-Caspian Region: Multiple old refuges, hotspot of extant diversification and critically endangered endemics. – Organisms Diversity & Evolution 9 (2): 100–114 oder WiF-Archiv.

Lee, H. (2011): Climate change, connectivity, and conservation success. – Conservation Biology, 25: 1139–1142.

Sommer, R. S., C. Lindqvist, A. Persson, H. Bringsoe, A. G. J. Rhodin, N. Schneeweiss, P. Siroky, L. Bachmann & U. Fritz (2009): Unexpected early extinction of the European pond turtle (Emys orbicularis) in Sweden and climatic impact on its Holocene range. – Molecular Ecology 18: 1252–1262 oder WiF-Archiv.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus