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Wissenschaft im Fokus

Veröffentlicht: 19.03.2017 Share it on Facebook


Mautner, A.K., A. E. Latimer U. Fritz & T. M. Scheyer (2017): An updated description of the osteology of the pancake tortoise Malacochersus tornieri (Testudines: Testudinidae) with special focus on intraspecific variation. – J Morphol., doi: 10.1002/jmor.20640.

Eine ergänzende Beschreibung der osteologischen Merkmale für die Spaltenschildkröte Malacochersus tornieri (Testudines: Testudinidae) mit einem speziellen Augenmerk auf intraspezifische Unterschiede.


Die außergewöhnliche Variabilität beim Panzer der Spaltenschildkröte Malacochersus tornieri, die sowohl die oberen Keratinschilde wie auch die darunterliegenden Knochen einschließt, und die bemerkenswerte Fenestrierung des knöchernen Panzers kennzeichnet sie als einzigartig unter den Landschildkröten. Auf der Grundlage von 14 Individuen unterschiedlicher Größe und Alters wurden die vorgefundenen Unterschiede für M. tornieri beschrieben und es wurden zusätzlich die Testudiniden-typischen Merkmale für den Schädel, das Innenohr und der Hirnschädel anhand von Mikro-CT-Scan-Datensätzen beschrieben. Gleiches wurde auch für die Beine gemacht. Bislang wurde für keine noch lebende Schildkrötenart eine so hohe Variabilität beschrieben, die deshalb für M. tornieri einzigartig ist und womöglich mit ihrer außergewöhnlichen Lebensweise in Zusammenhang steht. Innerhalb des Carapax sind insbesondere die Peripheralia und die Suprapygalia in verschiedenster Anzahl vorhanden. Zudem beteiligen sich unterschiedliche Kombinationen an Peripheralia an der Bildung der zentralen Fontanelle des Plastrons und bei einigen Individuen beteiligen sich sogar zusätzlich ausgebildete Knochen an der Bildung des Plastrons.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Hier handelt es sich wieder einmal um eine Studie die zeigt, dass Schild- und Carapaxknochenanomalien die für die Schildkröten keine Selektionsnachteile mit sich bringen durchaus als normal anzusehen sind (siehe dazu auch Bárcenas-Ibarra et al. 2015, Loehr 2016, May et al. 2010). Dennoch scheint es sich bei M. tornieri aber um eine besondere Situation zu handeln, die auch durch ihre Lebensweise bedingt sein dürfte. Spaltenschildkröten leben im natürlichen Verbreitungsgebiet in kleinen begrenzten weit auseinanderliegenden Felsansammlungen den Kopjes. Diese dort meist von einem Männchen dominierten Weibchengruppen reproduzieren sich meist über einen längeren Zeitraum isoliert bis mal wieder ein meist anderes Männchen aus einem der anderen meist nähergelegenen Kopjes den Weg dorthin findet und nicht vom Revierinhaber verdrängt wird. In diesen kleinen Gruppen in den viele Weibchen wohl eng miteinander verwandt sein dürften können sich natürlich auch vererbbare Besonderheiten (Mutationen) sehr leicht und gehäuft weitervererben, insbesondere wenn sie über die weibliche Linie vererbt werden. Somit kann es in diesen unterschiedlichen Lokalgruppen wohl sehr leicht zu verschieden abweichenden Morphotypen kommen solange sich dadurch für das Überleben keine Nachteile ergeben. Diese Lebensweise führt bedingt viele kleine auf bestimmte Generationen beschränkte so genannte genetische Flaschenhälse, die dazu führen wie wir es von der Besiedlung neuer Lebensräume auch bei anderen Schildkröten kennen (siehe Graciá et al. 2013 und Kommentar).

Literatur

Bárcenas-Ibarra, A., H. de la Cueva, I. Rojas-Lleonart, F. A. Abreu-Grobois, R. I. LozanoGuzmán, E. Cuevas & A. GarcíaGasca (2015): First approximation to congenital malformation rates in embryos and hatchlings of sea turtles. – Birth Defects Research. Part A, Clinical and Molecular Teratology 103 (3): 203–224 oder Schildkröten im Fokus, 12 (4), 2015: 22–23.

Graciá, E., F. Botella, J. D. Anadón, P. Edelaar, D. J. Harris & A. Giménez (2013): Surfing in tortoises? Empirical signs of genetic structuring owing to range expansion. – Biological Letters 9 (3): doi.org/10.1098/rsbl.2012.1091 oder WiF-Archiv.

Loehr, V. J. T. (2016): Wide variation in carapacial scute patterns in a natural population of speckled tortoises, Homopus signatus. – REMOTE SENSING LETTERS 7 (5): 47–54 oder WiF-Archiv.

May, C.D., Bidmon, H.-J., Buskirk, J.R. & S. Vinke (2010): Über das Auftreten eines Nackenschildes bei einer Südamerikanischen Landschildkröte, Chelonoidis carbonaria. – Schildkröten im Fokus, Bergheim 7 (2): 3–10 oder Schildkröten im Fokus, 14 (1): 34–36.



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© Michael Daubner 2017Schildkröten im Focus